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Häufige Fragen und Antworten zu Contergan/Thalidomid

Diese Darstellung beantwortet häufig gestellte Fragen zum Schlafmittel Contergan und seinem Wirkstoff Thalidomid:

  1. Wann kam das Schlafmittel Contergan auf den Markt?
  2. Wie hat Grünenthal den Contergan-Wirkstoff Thalidomid getestet, bevor er auf den Markt kam?
  3. Welche Rechtsgrundlagen für die Arzneimittelprüfung gab es bei der Einführung von Contergan?
  4. Wann wurde Grünenthal über Nebenwirkungen von Contergan informiert und wie ging das Unternehmen damit um?
  5. Wie kommt es zu Fehlbildungen durch Thalidomid?
  6. Warum dauerte es Jahre, bis der Zusammenhang zwischen Thalidomid und Fehlbildungen nachgewiesen werden konnte?
  7. Wer war im Strafverfahren angeklagt und warum?
  8. Wie verlief das Strafverfahren?
  9. Welche gesetzliche Hilfe erhielten die Contergan-Opfer?
  10. Wie hat Grünenthal den Contergan-Opfern damals geholfen?
  11. Welche Leistungen wurden bis heute für die Contergan-Opfer erbracht?
  12. Wie ist Grünenthal nach der Contergan-Tragödie mit Thalidomid umgegangen?
  13. Wie zeigt sich die Wirkung von Thalidomid bei Lepra und bei Krebs?
  14. Welche Auswirkungen hatte die Contergan-Tragödie auf die Arzneimittelsicherheit?
  15. Wie hat es das Unternehmen Grünenthal geschafft, sich wirtschaftlich von der Contergan-Tragödie zu erholen?
  16. Wie geht Grünenthal heute mit dem Thema Contergan um?
  17. Wie unterstützt Grünenthal die Contergan-Opfer heute?

1. Wann kam das Schlafmittel Contergan auf den Markt?
Grünenthal führte das Schlafmittel Contergan zum 1. Oktober 1957 auf dem deutschen Markt ein. Der Wirkstoff Thalidomid war in insgesamt 46 Ländern auf dem Markt - teilweise unter anderen Produktnamen.

2. Wie hat Grünenthal den Contergan-Wirkstoff Thalidomid getestet, bevor er auf den Markt kam?
Grünenthal testete den Wirkstoff Thalidomid nach den damals bei den Arzneimittelherstellern üblichen Standards an den in jener Zeit gebräuchlichen Tieren: Maus, Ratte und Kaninchen.

3. Welche Rechtsgrundlagen für die Arzneimittelprüfung gab es bei der Einführung von Contergan?
Bei der Markteinführung von Contergan 1957 fehlte in der Bundesrepublik ein einheitliches Arzneimittelgesetz. Es galt das Prinzip der Selbstüberwachung. Es fehlten Gesetze für das wirksame Erfassen der Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Die Wirkstoffe mussten nicht auf Schädigungen des ungeborenen Lebens geprüft werden (teratogene Wirkungen).

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4. Wann wurde Grünenthal über Nebenwirkungen von Contergan informiert und wie ging das Unternehmen damit um?
Zu Contergan wurden zwei verschiedene Nebenwirkungen gemeldet: Zum einen handelte es sich um Nervenreizungen an Händen und Füßen meist älterer Menschen (so genannte Polyneuritis). Die ersten Hinweise hierzu erhielt Grünenthal im Oktober 1959. Nach Prüfung und Verifizierung der Nebenwirkung änderte Grünenthal 1961 die Gebrauchsinformation und beantragte im Mai 1961 die Rezeptpflicht für Contergan.
Ein halbes Jahr später, am 16. November 1961, äußerte der Hamburger Kinderarzt Dr. Widukind Lenz seinen Verdacht, dass es einen Zusammenhang zwischen Fehlbildungen bei Ungeborenen und Thalidomid gäbe. Kurz danach meldete auch der australische Gynäkologe Dr. William G. McBride diesen Verdacht. Grünenthal reagierte darauf rasch und nahm das Medikament innerhalb von zwölf Tagen, am 27. November 1961, vom Markt. Das Gericht bestätigte später, dass Grünenthal hier schnell reagierte. Das Gericht bestätigte auch, dass es Grünenthal damals nicht möglich war, von den Nebenwirkungen der Polyneuritis auf die Fehlbildungen zu schließen.

5. Wie kommt es zu Fehlbildungen durch Thalidomid?
Schädigungen durch Thalidomid treten nur auf, wenn das Schlafmittel in der so genannten 'sensiblen Phase' der Organentwicklung eingenommen wird. Diese 'sensible Phase' liegt zwischen dem 27. und 40. Tag nach der Empfängnis bzw. dem 34. und 50. Tag nach Beginn der letzten Menstruation.

6. Warum dauerte es Jahre, bis der Zusammenhang zwischen Thalidomid und Fehlbildungen nachgewiesen werden konnte?
Die damals eingesetzten Labortiere zeigten keine Fehlbildung durch Thalidomid. Erst 1964, drei Jahre nach der Markt-Rücknahme, gelang der Nachweis bei weißen Neuseeländer Kaninchen.

7. Wer war im Strafverfahren angeklagt und warum?
Angeklagt waren neun leitende und wissenschaftliche Mitarbeiter von Grünenthal. Das Gericht versuchte zu klären, ob diese bei der Contergan-Tragödie fahrlässig gehandelt hatten.

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8. Wie verlief das Strafverfahren?
Es begann am 27. Mai 1968 und wurde am 18. Dezember 1970 eingestellt. Das Verfahren war das bis dahin längste und aufwändigste Verfahren der deutschen Rechtsgeschichte.
Das Gericht sah zwar einerseits ein Fehlverhalten der Angeklagten im Umgang mit den Nervenreizungen, andererseits bestätigte es, dass die Wirkung von Thalidomid auf Schwangere für Grünenthal nicht vorhersehbar gewesen sei und daher kein Versäumnis von Grünenthal vorlag. Die teratogene Wirkung sei nach dem damaligen Stand der Erkenntnisse unwahrscheinlich gewesen, "vielleicht sogar außerhalb des nach der Erfahrung möglichen" wie die Richter dem Unternehmen attestierten. Positiv bewertet wurde die rasche Markt-Rücknahme des Präparates innerhalb von nur zwölf Tagen.

9. Welche gesetzliche Hilfe erhielten die Contergan-Opfer?
Am 31. Oktober 1972 trat das Gesetz über die Errichtung der Stiftung "Hilfswerk für behinderte Kinder" in Kraft. Dieses Gesetz sollte allen behinderten Kindern - und nicht nur den Contergan-Geschädigten - Hilfe bringen. Stiftungszweck waren einerseits Leistungen an die Contergan-Betroffenen und andererseits die Förderung von Behinderten durch institutionelle Einrichtungen und Forschungsvorhaben. Aus diesen Stiftungsgeldern wurde den Contergan-Opfern eine einmalige Kapitalentschädigung und wird eine lebenslange Rente gewährt.

10. Wie hat Grünenthal den Contergan-Opfern damals geholfen?
Grünenthal zahlte freiwillig eine Summe von 114 Millionen DM in die Stiftung "Hilfswerk für behinderte Kinder" ein, die damalige Bundesregierung weitere 100 Millionen DM.

11. Welche Leistungen wurden bis heute für die Contergan-Opfer erbracht?
Die Contergan-Betroffenen erhielten eine einmalige Kapitalentschädigung je nach Schwere ihrer Schäden und beziehen eine lebenslange monatliche Rente. Eine unabhängige medizinische Kommission unter dem Dach der Stiftung stellt den Schweregrad der Schäden fest und passt die Höhe der Zahlungen entsprechend an.
Einige Leistungen der Stiftung in Zahlen: Leistungsberechtigt sind insgesamt rund 2800 Personen. Bis Ende 2007 wurden insgesamt rund 440 Millionen Euro gezahlt.

12. Wie ist Grünenthal nach der Contergan-Tragödie mit Thalidomid umgegangen?
Per Geschäftsführungsbeschluss wurde Thalidomid nach der Contergan-Tragödie nicht mehr kommerziell vermarktet, so dass Grünenthal keine Gewinne damit erzielte. Für humanitäre Zwecke stellte Grünenthal den Wirkstoff Thalidomid jedoch bis Juni 2003 zur Verfügung. Hintergrund: Schon in den 1960er-Jahren zeigte sich die Wirkung von Thalidomid in der Leprabehandlung, später in der Krebstherapie.
Seit den 1970er-Jahren gab Grünenthal Thalidomid-Tabletten ab, um Leprakrankenhäuser im Kampf gegen die so genannte Leprareaktion zu versorgen. Die Abgabe erfolgte gemäß einem Übereinkommen mit der Weltgesundheits-
organisation (WHO). Die Verteilung wurde streng überwacht von den nationalen Gesundheitsbehörden. In Einzelfällen mussten die Ärzte die Tabletten gesondert anfordern und deren Einsatz medizinisch begründen.
Seit den 1990er-Jahren erhielten auch jene Patienten Thalidomid, die unter schwer behandelbaren Immun- oder Krebserkrankungen litten.
In allen Fällen hat Grünenthal ausdrücklich auf die Risiken von Thalidomid hingewiesen und besonders gewarnt. Es musste schriftlich bestätigt werden, dass dieser Hinweis erfolgt war.
Zum 15. Juni 2003 stellte das Unternehmen die Abgabe von Thalidomid-Tabletten ein, weil die Abgabe des Wirkstoffes durch andere Unternehmen sichergestellt war.

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13. Wie zeigt sich die Wirkung von Thalidomid bei Lepra und bei Krebs?
1964 entdeckte der israelische Arzt Jacob Sheskin die Wirksamkeit von Thalidomid gegen eine schmerzhafte Hautentzündung bei Leprapatienten. Darüber hinaus hat Thalidomid Hemmwirkungen auf die Entstehung neuer Gefäße. Seit den 1990er-Jahren wird Thalidomid daher auch bei schweren Krankheiten wie Krebs eingesetzt.

14. Welche Auswirkungen hatte die Contergan-Tragödie auf die Arzneimittelsicherheit?
Die Contergan-Tragödie hatte weitreichende Konsequenzen für das deutsche Arzneimittelrecht. 1964 definierte erstmals eine Bekanntmachung die Anforderungen zur Prüfung von Arzneimitteln.
Flankierend erarbeitete die Deutsche Pharmakologische Gesellschaft als medizinische Fachgesellschaft wissenschaftliche Richtlinien.
Das Arzneimittelgesetz von 1978 wurde auf Grund seiner umfassenden Reform als "die herausragende gesellschaftliche Konsequenz der Contergan-Katastrophe" bezeichnet. Das klingt für die Betroffenen der Tragödie furchtbar, ist aber mit Blick auf Millionen geschützte Verbraucher ein überaus wichtiger Schritt in Richtung Medikamenten-Sicherheit. Erstmals wurde damit ein strenges Verfahren für die Zulassung und Erfassung neuer Arzneimittel in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Seitdem müssen Firmen umfangreiche Unterlagen über die Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und ausreichende Qualität der Arzneimittel bei der Behörde vorlegen, bevor das Medikament zum Verkauf zugelassen wird. Die Behörden wägen für jedes Arzneimittel ab, ob sein Nutzen ausreichend belegt ist und ob die aufgetretenen Nebenwirkungen ein vertretbares Risiko für die gesundheitlich stark betroffenen Patienten darstellen (Nutzen-Risiko-Abwägung). Um lebensbedrohliche Krankheiten zu heilen, werden stärkere Nebenwirkungen in Kauf genommen (zum Beispiel starkes Erbrechen und Haarausfall bei der so genannten "Chemotherapie"). Die Hersteller von Arzneimitteln werden regelmäßig von unabhängigen Gutachtern bewertet und die Einhaltung der Gesetze und Richtlinien vor Ort durch die Behörden streng geprüft.

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15. Wie hat es das Unternehmen Grünenthal geschafft, sich wirtschaftlich von der Contergan-Tragödie zu erholen?
Die Familie Wirtz entschied, dass andere Unternehmen des Firmenverbunds Grünenthal wirtschaftlich stützen sollten. Dies rettete das Unternehmen und sicherte wertvolle Arbeitsplätze, was der Familie Wirtz sehr wichtig war. Ab 1977 konnte Grünenthal die ersten Erfolge in der Schmerztherapie verzeichnen, allem voran mit dem Schmerzmittel Tramal®.

16. Wie geht Grünenthal heute mit dem Thema Contergan um?
Grünenthal wünscht sich die sachliche und historisch fundierte Auseinandersetzung mit diesem Thema. Das Unternehmen informiert seine Mitarbeitenden zum Beispiel im Intranet und auf Veranstaltungen.
Die Öffentlichkeit kann sich auf der Grünenthal-Website und durch Publikationen informieren. Das Unternehmen beantwortet dazu zahlreiche Medienanfragen aus dem In- und Ausland.

17. Wie unterstützt Grünenthal die Contergan-Opfer heute?
Grünenthal hat die Gesetzesinitiative der Regierungsfraktionen im Deutschen Bundestag unterstützt, die Contergan-Renten zu verdoppeln. Die Geschädigten brauchen als Erwachsene mehr Hilfe und medizinische Versorgung. Zudem leistet Grünenthal einen eigenen freiwilligen Beitrag, mit dem den Betroffenen zusätzlich geholfen werden kann. Grünenthal zahlt 50 Millionen Euro in die bestehende Conterganstiftung ein. Mit diesem Geld kann der Kapitalstock der Stiftung verdoppelt werden, so dass einmal pro Jahr ein zusätzlicher, persönlicher Betrag für die Betroffenen ermöglicht werden kann.