Angebliche Absprachen zwischen deutschem Staat und Grünenthal während des Contergan-Prozesses

Englische Anwälte wollen neue Dokumente gefunden haben, die belegen sollen, dass es geheime Absprachen zwischen den deutschen Behörden und Grünenthal gegeben hat.

Dieser „Deal“ hätte daraufhin zur Einstellung des Strafverfahrens geführt und so britischen Betroffenen die Möglichkeiten genommen, zivilrechtliche Schadensersatzprozesse gegen Grünenthal zu führen.

Eine deutsche Anwaltskanzlei hat diese angeblich neuen Dokumente geprüft und in einen Zusammenhang gestellt. Dabei kommen die Experten zu einem eindeutigen Schluss. Die Dokumente sind alt, sie stammen aus öffentlich zugänglichen Archiven. Es hat keine Einmischung der deutschen Behörden in die Gestaltung und das Ende des Strafverfahrens  gegeben. In den Vorwürfen werden die Abläufe des Strafverfahrens, des zivilrechtlichen Vergleichs und der Gründung der Conterganstiftung sowohl zeitlich als auch inhaltlich falsch dargestellt.

Ein kürzlich veröffentlichter Forschungsbericht1 eines Historikers im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen bestätigt, dass die angeblich neuen Dokumente teilweise falsch datiert und die Zusammenhänge von den Anwälten zum Teil auch bewusst falsch dargestellt werden.

1 Vgl. Seiten 27-31 der NRW-Studie (Die Haltung des Landes Nordrhein-Westfalen zu Contergan und den Folgen -  Forschungsbericht der WWU Münster für das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA NRW) )
http://www.mgepa.nrw.de/ministerium/presse/pressethemen/20160513_Contergan/Forschungbericht_Contergan_Langfassung_2016_05_02.pdf