Der Contergan-Prozess

Am 27. Mai 1968 begann vor der Großen Strafkammer des Landesgerichts Aachen in Alsdorf bei Aachen der so genannte „Contergan-Prozess".

Das Strafverfahren gegen neun leitende Mitarbeiter von Grünenthal gilt bis heute als eines der aufwändigsten Verfahren in der deutschen Rechtsgeschichte. Die juristischen und medizinischen Fragen rund um die Contergan-Tragödie waren komplex und schwierig. Es brauchte fast sechseinhalb Jahre Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft und die Polizei, um das Material für das Gerichtsverfahren zu erarbeiten. Der Prozess selbst dauerte mit 283 Prozesstagen mehr als zweieinhalb Jahre.

Am 18. Dezember 1970 wurde das Strafverfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eingestellt. Fünf unabhängige Richter haben den Einstellungsbeschluss ausführlich auf fast 100 Seiten begründet. Voraussetzung für die Einstellung des Verfahrens war, dass bei Fortsetzung des Prozesses eine allenfalls geringe Schuld festgestellt worden wäre. Die Erste Große Strafkammer des Landesgerichts Aachen führt auf der ersten Seite des Einstellungsbeschlusses aus: „Ausschlaggebendes Kriterium für die Bemessung der Schuld sind dabei nicht die Folgen der Tat. (…) Selbst so schwere Folgen wie Missbildungen bei zahlreichen Kindern, zum Teil mit tödlichem Ausgang, und schweren Nervenschäden Erwachsener schließen eine Einstellung nach §153 StPO nicht von vornherein aus. Es kommt vielmehr wesentlich darauf an, ob die Schuld der Angeklagten als gering bezeichnet werden kann. Die Schuld ist dabei unter Würdigung aller Umstände des Falles in erster Linie daran zu messen, wie weit die Angeklagten von dem von ihnen zu fordernden Verhalten abgewichen sind und in wieweit diese Abweichung jedem einzelnen von ihnen zum Vorwurf gemacht werden muss.“

Der Contergan-Prozess vor der großen Strafkammer des Landesgerichts Aachen