Grünenthal hat 2013 die Finanzierung der Peer-to-Peer Initiative übernommen und unterstützt damit den direkten Austausch und die gegenseitige Hilfestellung von Thalidomidbetroffene. Darüber hinaus gibt es jedoch von Grünenthal unabhängige Netzwerke, wie das Contergannetzwerk oder das Conterganforum.

Für Thalidomidbetroffene Menschen besteht international ein umfangreiches und etabliertes Versorgungsnetz. Darunter befindet sich die finanzielle Unterstützung über die Conterganstiftung und die Finanzierung von Sachleistungen und Projekten durch die Grünenthal-Stiftung.

Für Thalidomidbetroffene Menschen besteht international ein umfangreiches und etabliertes Versorgungsnetz. Darunter befindet sich die finanzielle Unterstützung über die Conterganstiftung und die Finanzierung von Sachleistungen und Projekten durch die Grünenthal-Stiftung.

Grünenthal steht in einem intensiven und vertrauensvollen Dialog mit Betroffenen in Deutschland und im Ausland. Um die Bedürfnisse von Betroffenen besser zu verstehen und sinnvolle Projekte über die Grünenthal-Stiftung zu realisieren, veranstaltete die Stiftung im Jahr 2013 einen runden Tisch mit Vertretern der Betroffenenverbände. Dieser Weg des Austauschs begann bereits im Dezember 2007, als sich der damalige geschäftsführende Gesellschafter der Grünenthal GmbH, Sebastian Wirtz, erstmals mit Vertretern des Bundesverbands Contergangeschädigter e.V. traf.

Fotos der verschiedenen Verpackungen von Thalidomid als Contergansaft und Contergan Forte

Contergan war der deutsche Handelsname eines rezeptfreien Beruhigungs- und Schlafmittels mit dem Wirkstoff Thalidomid, das von Männern und Frauen angewendet wurde. Frauen nahmen es wegen seiner beruhigenden Wirkung  auch bei Beschwerden in der Schwangerschaft ein. Jedoch führte Thalidomid  zu erheblichen Schädigungen des  Ungeborenen, wenn es in der frühen Phase der Schwangerschaft eingenommen wurde.

Grünenthal hat mehr als 100.000.000 Euro an die deutsche Conterganstiftung gezahlt. Diese ist unabhängig von Grünenthal und stellt die finanzielle Versorgung von Betroffenen in 38 Ländern sicher.

Grünenthal und seine Distributions- und Lizenzpartner haben Thalidomidhaltige Medikamente unter einer Vielzahl von Markennamen vertrieben. Darunter unter anderem Contergan, Softenon, Distaval und viele weitere.

Grünenthal und seine Distributions- und Lizenzpartner haben Thalidomidhaltige Medikamente unter einer Vielzahl von Markennamen vertrieben. Darunter unter anderem Contergan, Softenon, Distaval und viele weitere.

Die Contergan-Tragödie war einer der prägendsten Arzneimittelvorfälle in der Bundesrepublik Deutschland. Ärzte stellten Jahre nach Markteinführung fest, dass das Beruhigungsmittel Contergan Fehlbildungen bei Ungeborenen im Mutterleib auslösen konnte, wenn es während der Schwangerschaft eingenommen wurde. Erst aufgrund der Contergan-Tragödie wurde ein Arzneimittelgesetz geschaffen, das entsprechende Tests bei neu entwickelten Medikamenten vorsieht, wie wir es heute kennen.

Auf Basis des Vergleichs zwischen den Eltern der Betroffenen und Grünenthal erließen Bundestag und Bundesrat im Dezember 1971 das Gesetz für das „Hilfswerk für behinderte Kinder“ und ebnete damit den Weg für die Conterganstiftung. Ziel der Bundesregierung war es, den Kindern nachhaltig zu helfen, ohne dass Krankenkassen Ansprüche auf Rückzahlungen an die Eltern erheben konnten.

 

 

Bis zur Marktrücknahme war Thalidomid unter anderen Bezeichnungen in insgesamt 46 Ländern auf dem Markt erhältlich.

Heute leben noch rund 2.400 Thalidomidbetroffene in Deutschland.

Grünenthal zahlte Anfang der 70er insgesamt 100 Millionen DM plus Zinsen(ca. 58 Millionen €) in die Conterganstiftung ein, die Bundesregierung leistete einen Beitrag von weiteren 100 Millionen DM (ca. 51 Millionen €). Grünenthal hat 2009 freiwillig noch einmal 50 Millionen Euro in die Conterganstiftung eingezahlt.

Foto einer Conterganverpackung

Das Beruhigungs- und Schlafmittel ist unter dem Namen Contergan ab dem 1. Oktober 1957 in Westdeutschland verkauft worden.

Thalidomid verursachte bei kontinuierlicher Einnahme dauerhafte Schäden im Nervensystem. Außerdem wurde bei der Einnahme von Thalidomid innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate der Embryo geschädigt. Je nach Zeitpunkt der Einnahme traten unterschiedliche Miss- und Fehlbildungen des Kindes auf (z.B. Unterentwicklung von Händen, Füßen, Armen, Beinen oder fehlende Ohrmuscheln). Kinder, die mit diesen Fehlbildungen zu Welt kamen, sind in den 50er und 60er Jahren Contergan-Kinder genannt worden.

 

 

In Großbritannien existiert der Thalidomide Trust, ein Fond, der 1973 eingerichtet wurde und von Distillers Company Ltd, dem damaligen Vertriebspartner von Grünenthal, finanzielle Mittel erhalten hat. Des Weiteren können britische Thalidomidbetroffene Menschen ebenfalls Unterstützung für die Finanzierung von Sachleistungen durch die Grünenthal-Stiftung beantragen.

Distillers (Biochemicals) Ltd., Grünenthals Lizenzpartner, vermarktete Thalidomid in Großbritannien ab dem April 1958 und in Australien ab November 1960.

In Deutschland kamen zwischen Ende der 1950er und Anfang der 1960er-Jahre etwa 5.000 Kinder mit Fehlbildungen zur Welt. Weltweit wird die Zahl der Betroffenen auf 10.000 geschätzt, genaue Zahlen sind jedoch nicht bekannt.

Seit 1972 hat die Conterganstiftung geschätzt mehr als 840 Millionen Euro (Stand Frühjahr 2016) an Betroffene weltweit ausgezahlt. Sie zahlt lebenslange Renten von bis zu 7.100 Euro monatlich für Betroffene eines Thalidomid-haltigen Produktes von Grünenthal oder eines seiner lokalen Vertriebspartner. Aktuell werden Betroffene aus 38 Ländern unterstützt.

Ja. Thalidomidhaltige Produkte von Grünenthal sind in Spanien seit November 1960 vertrieben worden. Jedoch gab es bereits davor andere Firmen, die Thalidomidhaltige Präparate in Spanien unter mehreren unterschiedlichen Warenzeichen vertrieben haben. Diese Unternehmen standen jedoch in keinem Zusammenhang zu Grünenthal.

Historisches Foto des damaligen Grünenthal Werksgelände in Stolberg aus den 60ziger Jahren

Im März 1954 ist Thalidomid das erste Mal synthetisiert worden.

Thalidomid besitzt eine hemmende Wirkung auf die Entstehung neuer Gefäße. 1964 entdeckte der israelische Arzt Jacob Sheskin die Wirksamkeit von Thalidomid gegen eine schmerzhafte Hautentzündung bei Leprapatienten. Thalidomid wir heute  im Rahmen bestimmter Krebstherapien eingesetzt. Grünenthal  hat keinerlei  Verbindungen zu den Firmen, die heute Thalidomidhaltige Präparate anbieten.

Grünenthal hatte für Thalidomid lediglich ein Herstellungspatent und kein Stoffpatent. Dies bedeutet, dass nur ein spezielles Herstellungsverfahren geschützt war, jedoch nicht der Stoff an sich. Wir haben unsererseits damals spanische Patentanwälte eingeschaltet, es kam jedoch nicht mehr zur Durchsetzung unserer Ansprüche.

Historisches Foto der Patenturkunde vom Wirkstoff Thalidomid

1954 meldete Grünenthal in Westdeutschland das Patent für Thalidomid an.

Thalidomid wird im Zuge diverser Therapien weiter eingesetzt. Grünenthal hat jedoch keine Verbindung zu Firmen, die Thalidomidhaltige Produkte heute verkaufen. Auch nach der Marktrücknahme 1962 hat das Unternehmen keinen kommerziellen Nutzen mehr aus der Anwendung von Thalidomidhaltigen Substanzen weltweit gezogen.

Der Wirkstoff Thalidomid wurde entsprechend den damals bei Arzneimittelherstellern üblichen Standards an bestimmten Tieren getestet. Diese Testergebnisse zeigten keine Nebenwirkungen. Auf Grund dieser Erkenntnisse ist Thalidomid somit rezeptfrei in Westdeutschland verkauft worden.

Abbildung der chemischen Strukturformel von Thalidomid

Thalidomid ist von den Grünenthal-Forschern Wilhelm Kunz und Herbert Keller erfunden worden.

Historisches Foto des Gerichtssaals in Alsdorf bei Aachen mit Blick ins Publikum des Contergan-Prozesses

Bei dem sogenannten „Contergan-Prozess“ handelte es sich um ein Strafverfahren gegen neun leitende Mitarbeiter von Grünenthal, das am 27. Mai 1968 in Alsdorf bei Aachen begann und zweieinhalb Jahre später am 18. Dezember 1970 mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde.

Thalidomid war in einigen Ländern rezeptfrei erhältlich. In anderen europäischen Staaten, wie Großbritannien, Österreich und den skandinavischen Ländern waren Thalidomidhaltige Produkte rezeptpflichtig.

Thalidomid trug den internen Projektnamen „K17“, weil es sich um das 17. Molekül handelte, das Dr. Wilhelm Kunz während seiner Zeit bei Grünenthal entdeckte.

Historische Fotografie des Einstellungsbeschlusses zum Contergan-Prozess

Der Strafprozess gegen neun leitende Mitarbeiter von Grünenthal ist bis heute einer der aufwändigsten Verfahren in der deutschen Rechtsgeschichte. Der Prozess vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Aachen dauerte mit 283 Prozesstagen mehr als zweieinhalb Jahre. Am 18. Dezember 1970 wurde das Strafverfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eingestellt. Fünf unabhängige Richter haben den Einstellungsbeschluss auf rund 100 Seiten ausführlich begründet. Sämtliche Dokumente, die im Rahmen des Prozesses ausgewertet und bewertet wurden (rund 600.000 Seiten), werden in öffentlichen Archiven aufbewahrt.

Thalidomid war ein Beruhigungs- und Schlafmittel, das von Männern und Frauen angewendet wurde. Frauen nahmen es wegen seiner beruhigenden Wirkung auch bei Beschwerden in der Schwangerschaft ein.

Bei der Markteinführung von Contergan 1957 gab es in der Bundesrepublik Deutschland kein umfassendes Arzneimittelgesetz, wie wir es heute kennen. In der Zeit vor und während der Contergan-Tragödie lag es deshalb in der Verantwortung des Arzneimittelherstellers, wie er neue Arzneistoffe testete und Nebenwirkungen erfasste. Der Wirkstoff Thalidomid wurde von Grünenthal entsprechend den damals bei Arzneimittelherstellern üblichen Standards an bestimmten Tieren getestet. Dazu gehörten keine Tests auf Schädigung des ungeborenen Lebens (teratogene Wirkung). Erst nach Rücknahme von Contergan aus dem Handel konnten bei gezielten Versuchen am Weißen Neuseeländer Kaninchen die Fruchtschädigung von Thalidomid nachgewiesen werden.

Obwohl der Strafprozess vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Aachen bereits über zwei Jahre dauerte und schon zahlreiche Zeugen und Sachverständige gehört worden waren, war ein Ende des Prozesses nicht absehbar. Zudem hätten Ansprüche von Betroffenen anschließend in einem langwierigen Zivilrechtsverfahren geklärt werden müssen. Grünenthal und den Elternvertretern war daher bewusst, dass schnell eine Lösung gefunden werden musste, wie den betroffenen Kindern und Familien geholfen werden konnte. Daher nahm man Gespräche auf, wie diese finanzielle Unterstützung von Grünenthal gewährleistet werden könnte. Diese Gespräche führten schließlich im April 1970 zu einem Vergleich zwischen den Eltern der Betroffenen und Grünenthal – unabhängig vom weiterlaufenden Strafverfahren.

Nein. Zum Zeitpunkt der Markteinführung 1957 gab es keine bekannten Nebenwirkungen.

Nein. Zum Zeitpunkt der Markteinführung 1957 gab es keine bekannten Nebenwirkungen.

Zum Zeitpunkt der Contergan-Tragödie gab es in der Bundesrepublik Deutschland keine Richtlinien für die Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Arzneimitteln, wie sie uns heute bekannt sind. Es gab kein Arzneimittelgesetz oder ein Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Verfahren für die Zulassung  und Überwachung von Arzneimittel, wie wir sie heute kennen, wurden erst nach der Thalidomid-Tragödie entwickelt.

Nein gab es nicht. Weitere Informationen zu den Hintergründen finden Sie hier.

Am 26. Mai 1961 stellte Grünenthal einen Antrag zur Rezeptpflicht beim Innenministerium Nordrhein-Westfalen. Im August 1961 trat diese für die Länder Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg in Kraft.

Erst 1964 definierte der Bundestag im „Gesetz zur Änderung des Arzneimittelgesetzes“ die Anforderung zur Prüfung von Arzneimitteln. Flankierend erarbeitete die Deutsche Pharmakologische Gesellschaft als medizinische Fachgesellschaft wissenschaftliche Richtlinien.

Am 31. August 2012 hat der damalige CEO von Grünenthal, Dr. Harald F. Stock, in einer Rede die Betroffenen, ihre Mütter und Familien um Entschuldigung für das lange Schweigen gebeten.

Rede anlässlich Einweihung des Contergan-Denkmals lesen

Teratogen bedeutet, dass eine Substanz eine Schädigung des Embryos im Mutterleib verursachen kann. Im Falle von Thalidomid wurde von sogenannten Contergan-Missbildungen gesprochen.

Erste Beobachtungen vom Auftreten von Nervenschäden (Polyneuritis) wurden 1959 gemacht. Anfang des Jahres 1961 verdichteten sich in medizinischen Fachkreisen die Hinweise, dass Thalidomid bei langfristiger Einnahme bei Erwachsenen Nervenschäden verursacht.

Im Drehbuch des Contergan Films „Eine einzige Tablette“ wurden historische Fakten mit rein fiktiven Elementen in einer Weise vermischt, die Grünenthal äußerst negativ und nicht wahrheitsgemäß dargestellt haben. Gegen diese falschen Behauptungen und Darstellungsweisen ist das Unternehmen juristisch vorgegangen. Gegenüber dem Drehbuch wurden in der ausgestrahlten Fassung 13 Szenen gestrichen oder umgearbeitet und ein klarstellender Vor- und Nachspann aufgenommen.

Am 15. November 1961 wurde im Rahmen eines Telefonates durch Dr. Widukind Lenz einem Hamburger Kinderarzt und Humangenetiker der Verdacht auf Teratogenität erstmals geäußert. Am 17. November 1961 ist der Verdacht von Dr. Lenz schriftlich an Grünenthal herangetragen worden.

Bei Polyneuritis handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems bei Erwachsenen, die mehrere Nerven betrifft. So haben Betroffene zum Beispiel ein Taubheitsgefühl in der Fingern- und Fußspitzen beschrieben. Polyneuritis führt zudem bei länger andauernden Beschwerden zu einer pathologisch nachweisbaren Veränderung des Nervengewebes.

Historische Fotografie des Eintrags von Thalidomid im deutschen Handelsregister

Nein. 1946 wurde die Firma Grünenthal gegründet, also nach dem 2. Weltkrieg. Thalidomid selbst ist erst 1954 erstmalig synthetisiert und im selben Jahr zum Patent angemeldet worden.

Am Freitag, dem 24. November 1961, ging ein auf den 21. November 1961 datierter Brief des britischen Lizenznehmers Distillers bei Grünenthal ein, aus dem hervorging, dass der australische Gynäkologe Dr. William G. McBride den Verdacht geäußert hatte, Thalidomid könnte zu Schädigungen von Ungeborenen im Mutterleib führen.

DEr Hamburger Humangenetiker Dr. Widukind Lenz

Dr. Widukind Lenz war ein Hamburger Kinderarzt und Humangenetiker, der seinen Verdacht äußerte, dass es einen Zusammenhang zwischen einem Anstieg von Fehlbildungen bei Ungeborenen und Thalidomid gäbe. Er war somit der erste, der einen Zusammenhang von Thalidomid und Teratogenität vermutete und Grünenthal darüber informierte.

Grünenthal hat mit der Entscheidung zur Marktrücknahme am 27. November 1961 das eigene Vertriebspersonal, Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken sowie seine internationalen Vertriebspartner und Lizenznehmer telefonisch und per Fax/Brief informiert.

Grünenthal nahm das Medikament am 27. November 1961 vom Markt, nachdem Widukind Lenz 12 Tage zuvor erstmals telefonisch den Verdacht möglicher teratogener Wirkungen geäußert hatte. Alle Lizenznehmer wurden über die Entscheidung informiert und waren für die Marktrücknahme jeweils selbst verantwortlich.