Thalidomidbetroffene in Spanien

In Spanien haben drei weitere Unternehmen, namentlich Laboratorio Farmacológicos Nessa, Peyva Laboratorios sowie das Instituto Farmacológico Latino, unabhängig von Grünenthal Thalidomid-haltige Medikamente vertrieben; Thalidomid-haltige Produkte von Grünenthal kamen erst im Jahr 1960 auf den spanischen Markt.

Am 27. November 1961 wurde der Verkauf von Thalidomid-haltigen Produkten von Grünenthal weltweit gestoppt, bereits zwölf Tage, nachdem der deutsche Kinderarzt und Genetiker Widukind Lenz erstmalig den Verdacht geäußert hatte, dass Thalidomid zu Fehlbildungen führen könnte. Im Mai 1962 schloss sich die spanische Regierung an und sprach ein offizielles Verbot sämtlicher Thalidomid-haltiger Produkte in Spanien aus.  

Soweit Betroffene in Spanien von einem Medikament geschädigt worden sind, das unabhängig von Grünenthal vertrieben worden ist, konnten sie speziell für sie bereitgestellte Leistungen vom spanischen Staat erhalten. Insgesamt sind 249 Anträge gestellt worden, von denen 24 bewilligt wurden. Bei diesen 24 Antragstellern konnte nicht ausgeschlossen werden, dass sie durch Thalidomid geschädigt sind. Je nach Schwere des Falls wurden bis zu 100.000 Euro an betroffene Menschen gezahlt.

Im September 2015 wurde eine Schadenersatzklage der Organisation AVITE gegen Grünenthal von dem Obersten Zivilgericht in Madrid endgültig abgewiesen. Die Verfassungsbeschwerde der Organisation für Thalidomidbetroffene und sonstige benachteiligte Menschen (AVITE) gegen diese Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wurde vom spanischen Verfassungsgericht in Madrid nicht zugelassen. Für Grünenthal ist es nicht nachvollziehbar, dass AVITE die Klagen erhoben hat, denn jedem spanischen Betroffenen eines Thalidomid-haltigen Medikaments von Grünenthal stehen umfangreiche finanzielle Unterstützungsleistungen durch die deutsche Conterganstiftung zu. Einige spanische Betroffene beziehen diese Leistungen bereits seit Anfang der 1970er Jahre.